Freitag, 25. September 2009

Mit der Faehre in die Stadt

Da gab es in Ayutthaya zwei Familien,
die jeweils eine Faehre besassen.
-Vielleicht haette ich vorweg nehmen muessen, dass Ayutthaya eine Insel ist, obwohl die Stadt nicht am Meer liegt. Ein grosser Fluss umgibt die Stadt zu all ihren vier Seiten, vielleicht sind es auch mehre Fluesse, das aendert aber auch nichts an der Tatsache. Jedenfalls quartierte ich mich unweit des Bahnhofs in ein chinesisches Gasthaus ein, unweit auch zum Ufer des Flusses, allerdings auf der ausserhalb liegenden Seite; so also kam es, dass ich morgens mit der Faehre hinueber in die Stadt fuhr und dann abends mit einer anderen Faehre wieder zurueckfuhr, wenn die Faehre vom Morgen ihren Betrieb bereits eingestellt hatte.

Jeden Morgen brachte mich die eine Faehre zur Anlegestelle auf der gegenueberliegenden Seite, wo ich einen Jungen beobachtete, der in seinem Rollstuhl neben dem kleinen Haeuschen sass, in welchem man seine Ueberfahrt beglich. Schliesslich interessierte es mich doch so sehr, dass ich nachfragte und schliesslich mit der Frau am Kassentisch in ein Gespraech einstieg, was sich sogleich als sehr schwerfaellig herausstellte, da die Frau kaum Englisch sprach.

"Ihr Sohn sei authistisch.", soviel verstand ich. "Was sein groesster Wunsch sei?", wollte ich wissen, doch sie verstand es nicht. Ich lief auf die Strasse und konnte ein Paar Schueler ausfindig machen, mir meine Frage zu uebersetzen. Man sah mich verwundert an. Noch nie haette jemand nach dem Jungen gefragt. "Nichts wuensche er sich.", sagte man mir. Die Familie sei sehr wohlhabend, bescheinigten mir die Schueler und man halte den Jungen hier im Hof, damit ihm nichts passiere; ausserhalb der Einfriedung waere es fuer ihn zu gefaehrlich und auch in die Stadt wolle er nicht gehen. Ich wollte wissen, ob ich ihn in die Stadt fuehren duerfe. Man verneinte und lehnte dankend ab.

Man gab mir schliesslich die Moeglichkeit mich selbst mit dem Jungen zu unterhalten.

Da sass er im Rollstuhl nebem dem Faehrhaeuschen und schaute aufs Wasser hinab, wo sein Grossvater die Faehre stets von einer Seite des Flusses auf die andere dirigierte.



Die Schulkinder uebersetzten meine Fragen ins Thailaendische und ich fragte ihn nun persoenlich, was er sich denn wuensche. "Er wolle gerne mit der Faehre mitfahren und koenne das nicht, weil ihn Niemand zum Steg hinunterbringe." Ich war ergriffen und schockiert zugleich. Am liebsten haette ich ihm sofort diesen Wunsch erfuellt, war es doch der einzige Wunsch des Jungen. "Doch es sei schon zu dunkel und zu gefaehrlich fuer ihn." Die Schulkinder versprachen ihm den Wunsch ein andermal zu erfuellen. Ich verabschiedete mich.

Am Abend fuhr ich mit der anderen Faehre wieder zurueck. Auf der Faehre sprach mich eine Frau an, zuerst verstaendigten wir uns in gebrochenem Englisch, als ich erwaehnte, dass ich aus Deutschland sei, unterhielt sie sich mit mir in einfachem Deutsch. "Mit einem Schweizer sei sie verheiratet gewesen und vor 15 Jahren haette dieser sie verlassen, woraufhin sie mit ihren Kindern nach Thailand zurueckgekehrt sei."

Die Frau sah fertig aus und alle anderen Leute im Boot hatten sich laengst von ihr abgewandt. Ich hoerte ihr weiterhin zu, weil ich spuerte und wusste, dass es ihr Ernst und das Gespraech fuer sie wichtig war. Dein Ohr leih' Jedem. Wen'gen deine Stimme.

Die Frau behielt schwerlich ihre Fassung und verlor sie schliesslich. "Seitdem sie nach Thailand zurueckgekehrt sei, haette ihr noch nicht ein einziges Mal ernsthaft Jemand zugehoert und ihr geglaubt." -Ich glaubte ihr; dass sie die Wahrheit sprach, sagten mir allein schon ihre leeren Augen, die mich noch immer angstvoll und verzweifelt anstarrten.

Sie lud mich zu sich nach Hause ein. Dort erzaehlte sie mir, dass ihre Familie diese Faehre betreibe, mit der ich jeden Abend wieder zurueck ans andere Ufer gelangt war.

Die Frau war nicht sehr wohlhabend und bestand dennoch darauf, dass ich bei ihr und ihrer Familie wohne und speise.

Als die Kinder abends im Bett waren, zeigte sie mir schlimme Wunden an ihren Armen und berichtete mir unter Traenen von einem Selbstmordversuch ein Paar Tage zuvor. Ich unterhielt mich lange mit ihr und konnte ihr wieder ein bisschen Lebensmut zusprechen.

Sie war dankbar fuer mein Vertrauen und meine Worte und gab mir am naechsten Tag bei meiner Abreise ihren alten Personalausweis, damit ich sie nicht vergesse. Und in ihrem Blick lag wieder etwas Zuversicht, als sie mich mit einem Laecheln verabschiedete.

- Beide Familien haben ein schweres Kreuz zu tragen und ein klein bisschen dieser Last glaube ich ihne abgenommen zu haben.













Die Kinder begleiteten mich zum Abschied zum oertlichen Bahnhof



Pi Kung (Alte Krabbe) macht fuer mich ein Abschiedsfeuerwerk

Mittwoch, 23. September 2009

Da sitze ich ausserhalb von Bangkok an einer Bushaltestelle und habe keine Ahnung wie ich wieder ins Zentrum zurueckgelange. Die Beschriftungen auf den Bussen sind alle in Thai, sofern ueberhaupt vorhanden, und Fahrplaene gibt es sowieso nicht. Ich frage also einige der Leute an der Bushaltestelle und alle zucken nur mit der Schulter.


Gerade in dem Moment als ich mich frage ob sie denn ueberhaupt selbst wissen welchen Bus sie nehmen muessen, da begreife ich wie der Hase laeuft: Die Leute bleiben so lange an der Bushaltestelle sitzen, bis ein Bekannter oder Verwandter zufaellig vorbeifaehrt und sie mitnimmt!

Impressionen

Ist in manchen Staedten offizielles Verkehrsmittel




Wer genau hinsieht erkennt den schlafenden Mann


Die Frau wohnt auch direkt hinter dem Blaetterwald


Einer meiner Tuk-Tuk-Fahrer hatte Alkohol getrunken und wurde von der Polizei angehalten. Man nahm uns beide mit auf die Wache und dem Fahrer wollten sie den Fuehrerschein fuer zwei Monate entziehen und insgesamt eine Strafe von umgerechnet mehr 200 Euro aufdruecken. Ich liess meinen Charme spielen und umgarnte die Polizisten etwas, die das (zum Teil!) sehr genossen. Die Strafe wurde auf laecherliche 50 Euro reduziert und die Gefaengnissstrafe direkt fallengelassen. -Wir mussten danach beide heulen.


Verkabelung (wohlgemerkt: unter freiem Himmel)



Sind die nicht huebsch (die drei!)



Ja Mama, schon wieder aufm Motorrad! :-)



Das hat mich dann doch verwundert: Die haeufigste Todesursache in Thailand sei der Tod durch Kokosnuesse! -


Da muss man aber schon sehr viele essen!

Treffen mit Timur und seinen Innereien

Vor mehr als drei Wochen hatte ich auf Ko Phi Phi Samuel, Isabelle und Karin aus der Schweiz getroffen. Und ganz zufaellig treffe ich sie dieser Tage wieder, als ich mich gerade ungekaemmt und verschwitzt auf einem Strassenmarkt herumtreibe. So klein ist doch die Welt.




Die "Bagage" und Timur (Auto) im Hintergrund


Einen Reisefuehrer, den die drei nicht mehr brauchen, haben sie mir auch noch ueberlassen. (Und ich habe es irgendwie versaeumt mich richtig dafuer zu bedanken. Sollten wir uns nochmal treffen, wird das nachgeholt.)


Sogar mit Widmung!

Die drei sind schon ganz schoen in der Welt rumgekommen, wen es interessiert, der klicke hier: www.timurtour.ch

Wie ein Volk mit seinen Verstorbenen und deren Erbe umgeht, sagt viel ueber eine Kultur aus. Nicht zuletzt deshalb interessiere ich mich sehr fuer den Friedhof und die Bibliothek einer Stadt.

Happa Happa Streifzug durch fremde Kuechen

Obwohl es hier so heiss ist, frisst man doch erschreckend viel. Schmatz Schmatz.


Umgerechnet 25 Eurocent


Aussicht gratis dabei


Manchmal muss man die Frauen auf dem Markt erst aufwecken, bevor man einkaufen kann



Melone mit Ton! (Mann hat die gebrummt!)


Diese Fruechte stinken so sehr, dass ihr Verzehr in oeffentlichen Verkehrsmitteln per Gesetz verboten worden ist.



Das sei sehr gut, hat man mir gesagt. Es war hart an der Grenze, sage ich!



Sieht ganz gut aus. War auch lecker. Und auf Wunsch machen sie einem auch noch Bohnen und Mais drauf!

Verkehr oder besser: VerQuer!

In Bangkok ganz speziell, aber eigentlich ueberall in Thailand, geht es auf den Strassen heiss her.
Auch in Malaysia ist manchmal nicht ersichtlich ob jetzt Linksverkehr oder Rechtsverkehr ist, Jeder faehrt eben und generell gilt: Je groesser das Gefaehrt, desto mehr Vorfahrt!


Mein Tuk-Tuk Fahrer



Werkstatt




Er laeft und laeuft und laeuft...



Kenn ich noch aus meiner Kindheit, wenn ich bei meinem Papa mitgefahren bin.



Es gibt nichts was hier nicht faehrt



Tja, manche hatten mich gewarnt ein Mietauto auf malaiischen Strassen zu nehmen. Jetzt erst Recht dachte ich und gab den Jungs von der Autovermietung ein kleines Trinkgeld, um Problemen gleich mal vorzubeugen.


Mein Waegelchen (soviel PS wie n Wenzelmetallkorbschiebewagen!)



Die haben immer Vorfahrt und behalten sie manchmal recht lange!


So, den Mietwagen habe ich wieder abgegeben und man hoere und staune: Das Auto wurde nicht einmal angeschaut. _ Ob das wohl am Trinkgeld lag? (Oder war es doch mein Augenaufschlag? )
Es wird behauptet, dass die Mosquitos sterben, wenn sie einen Menschen stechen, der zuvor viel Curry gegessen hat. - Ich werde morgen frueh die Leichen zaehlen.

Rettungsaktion!

Wer erraet was ich auf dem Markt gekauft habe?
(Wer zuerst eine email mit der richtigen Loesung schickt, bekommt eine Belohnung)

Als ich in Georgetown mit der Standseilbahn auf den Penang Hill gefahren bin, da wurde der Englaender neben mir ploetzlich ganz unruhig, als er die von oben kommende Bahn auf uns zufahren sah.


Genau auf halber Strecke dann fuhren die beiden Bahnen aneinander vorbei und er kommentierte, noch immer kreidebleich: "That was close!"

Malaysia

So, lange nichts mehr von mir hoeren lassen. Hoeren werdet ihr auch jetzt nichts von mir, aber lesen:


Von Kuala Lumpur aus ging es wieder weiter in Richtung Norden des Landes. Mit dem Zug hiess es ersteinmal durch die Pampa tuckern. (Wegen der schlechten Gleise faehrt der Zug nicht schneller als 40 km/ h) Schliesslich ging es dann in einer Nacht- und Nebelaktion mit der Faehre auf die Insel Penang.



Gemeinschaftskueche in meiner "Absteige"


Der Affe legte die Kokosnuss doch tatsaechlich auf die Strasse und wartete darauf, dass Autos drueberfahren!!!


Tiere haben Vorfahrt!





Zimmer oben links mit Ausblick in den Innenhof



Reisfelder


Rollender Laden mit groesserem Sortiment als so mancher Aldi


Ueberbleibsel aus der Kolonialzeit


Man beachte den "Ruessel"!







Bruecke ueber den Regenwald






Kuehe am Strand (Ja, die machen da auch ihr Geschaeft... )




Meine Lieblingsfruechte ("2 Kilo bitte. Eines fuer gleich und eines fuer unterwegs!")

Dienstag, 22. September 2009

Seit mehr als drei Monaten gibt es fuer mich keinen Montag mehr.

Und auch keinen Dienstag, keine Uhrzeit, manchmal auch den Monat nicht mehr. Kein Wochenende. Ueberhaupt keine Tage.

-Reisen ist wenn jeder Tag Samstag ist!

Montag, 21. September 2009

Nachtrag

Das Bild habe ich gerade von Sandra uebers Internet erhalten und wollte ich euch nicht vorenthalten. Zufaellig Ashton Dickie und Danny Cockrane wiedergetroffen. (Ja, die heissen wirklich so!)

Danny, Anna, ich, Ashton, Marcial und Sandra


Montag, 14. September 2009

Seit zwei Tagen kaufe ich mein Wasser in ein und demselben Supermarkt ein und habe mich ueber das erste malaiische Wort gefreut, das ich mir behalten konnte. Das Wort heisst 'tirek' und steht an der Tuere, direkt unter dem Tuergriff. Es muss 'druecken' heissen, denn jedesmal wenn ich wieder aus dem Laden ging, verabschiedete ich mich und drueckte die Tuer auf.

- Bei meinem letzten Besuch dann aber die Ueberraschung: die Tuere laesst sich in beide Richtungen oeffnen!

Stadt am schlammigen Fluss

Tja, da bin ich nun in der 'Stadt am schlammigen Fluss' . (Wer erraet wie die Stadt heisst?)