Freitag, 9. Oktober 2009

Eisenbahnromantik

Eine Eisenbahnfahrt durch Vietnam, das wollte ich mir nicht nehmen lassen und liess mich auch nicht beirren, als die Frau am Fahrkartenschalter lachen musste, als ich das billigste erhaeltliche Ticket fuer den Zug verlangte. Ich wollte ja schliesslich nicht im vollklimatisierten Abteil mit lauter Touristen sitzen, sondern entschied mich fuer den letzten Zug am Abend.

Ich dachte an eine sehr romantische Eisenbahnfahrt, an so etwas wie den "Feurigen Ilias des Vietnam"!
Essen hatte ich keines dabei, ich wollte im Speisewagen gemuetlich sitzen und hatte mir deshalb nur eine Packung vietnamesischer Kekse gekauft, sonst nichts.

Ich schloss mich also den ganzen Einheimischen an, als es darum ging von der Wartehalle aus den Zug anzusteuern. Das war schon einmal die erste Schwierigkeit. Der Zug legte naemlich nicht vom Personenbahnhof sondern vom Gueterbahnhof ab! (Ich wunderte mich zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt noch nicht.)

Mit Sack und Pack, und Leute, aelter als der Papst erlaubt, Alle und Jeder stiegen wir ueber die Gleise. Da wurde gewuchtet und gehievt, aber die Leute verzogen keine Miene! Ich war der einzige Nicht-Vietnamese.
Dann sehe ich aus der Ferne einen Waggon mit vergitterten Fenstern. Die Tiere da drin tun mir Leid, denke ich mir noch, bevor ich von einem Mann mit Gesten angewiesen werde, endlich einzusteigen.
Tja, das hatte ich nun davon. Da sass ich in einem total ueberladenen Waggon und wurde ersteinmal von Allen gemustert. Hierher verirren sich ganz offensichtlich selten Touristen.

Der "Viehtransport" bei der Ankunft am naechsten Tag.
Nach einer Stunden dann tat mir der Arsch weh von den harten Holzsitzen, nocheinmal eine halbe Stunde spaeter fuhr der Zug endlich los!
Irgendwann legte ich mich tatsaechlich zu den Leuten ins Gepaeckabteil und schlief auf einem Reissack.
Es war eng und es war warm und die Fenster waren so klein, dass man sich vorbeugen musste,
um hinaussehen zu koennen. Spaetestens jetzt ahnte ich dass es schlimm werden koennte.
Und schlimm war es dann auch: nach kurzer Zeit legten sich die Leute ueberall auf den Boden und quer uebereinander und jeder schlief so wie er sich das gerade vorstellte. Elf stunden sollte ich hier drin aushalten. Ich konnte und konnte es mir einfach nicht vorstellen. Speisewagen gab es keinen, das brauche ich wohl erst gar nicht zu erwaehnen und die Kekse waren mit einer dermassen suessen Marschmallowfuellung vollgepackt, dass ich nur einen halben hinunterwuergen konnte und den Rest spaeter entsorgen wollte.
Nach einigen sehr muehsamen und schweigsamen Stunden (es sprach ja keiner auch nur ein Wort English), wusste ich nicht mehr wie sitzen und nachdem ich auch aus dem Gepaeckwagen wieder verscheucht worden bin, zweckentfremdete ich aus lauter Verzweiflung schliesslich die Kekspackung als Kopfkissen und klemmte dazu die Pappschachtel mit den weichen Keksen darin zwischen Kopf und Zugwand.
Noch grinse ich, weil ich einfach nicht fassen kann, was da gerade passiert.
Dann kommen wir endlich an, es bricht ploetzlich eine Hektik aus und jeder versucht schnellstmoeglich sein Gepaeck an sich zu bringen. Ich lasse die Leute machen und will warten, bis der Zug sich etwas geleert hat. Doch dann geht zunaechst die Diesellok aus und gleich darauf auch das Licht. Mir geht das Licht zu spaet auf und ich versuche in der Dunkelheit meinen Rucksack zu finden.

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